Schach, Strategie und Schweigen

3. Dezember 2019

Kineke Mulder führte das Interview für Chess unlimited*

Was bringt Dich als “Verhandlungsmeister” zum Schach?

Als Keynote Speaker und Consultant ist mein Hauptwerkzeug die Sprache. Beim Schach genieße ich es, zu schweigen, was glücklicherweise in diesem Fall als höflich empfunden wird.

Der wortlose strategische Dialog ist anregend und führt dazu, ganz im Moment zu sein. Mein Fokus liegt komplett auf der Stellung am Brett, und ich kann bei mir sein, ganz im Gegensatz zu meinem Berufsleben, wo ich immer auf die Interessen und Entwicklung beim Gegenüber oder von Gruppen fokussiere.

Gibt es sonst noch Gründe, warum Du gerade Schach so bevorzugst?

Schach bietet viele weitere Vorteile: Es lässt sich unbeschwert zu meinen Seminar- und Kongressorten weltweit mitnehmen. Ich finde dort leicht Spielpartner, unabhängig davon, ob wir gleiche Ansichten vertreten oder die gleiche Sprache sprechen.

Es nimmt mir auch die Verantwortung für den Erfolg des anderen, denn hier ist es, im Gegensatz zu meiner Funktion im Training, einerlei wer Lehrer und Schüler ist. Beim Schach lernt mal der eine, mal der andere etwas dazu. Oder bestenfalls gleich beide.

Amin aus Wien vor seinen Büchern

Du bist zum Pfingstturnier mit Kindern gekommen. Deine?

Ja! Meine Zwillingstöchter haben sich ab sechs für das Schachspiel interessiert. Zur meiner großen Freude! Denn es regt das Hirn an und stärkt Fähigkeiten wie Antizipieren oder strategisches Denken. Meine Mädchen sind generell sehr neugierig, stellen glücklicherweise viele Fragen, auch philosophische.

Ihr habt gerade ein Projekt gemeinsam gestartet, oder?


Junge Menschen zum selbstbestimmten, kritischen Denken zu animieren sehe ich als enorm wichtige Aufgabe. Dazu kommt die derzeitige Entwicklung der Polarisierung der Gesellschaft, des Ausspielens von unterschiedlichen Gruppen, der Mitgration und der Suche nach dem Lebenssinn für viele Menschen. Das sind alles Themen, die mich auch in ihrem weiteren Verhandlungssinn beschäftigen.

Deshalb haben wir ein besonderes Toleranzprojekt gestartet: Gemeinsam entsteht das Buch The Little FreeThinker, mit Text und Bild von „kleinen, offenen Köpfen“. Wir sind derzeit im Crowdfunding und hoffen, das wir mit genügend Unterstützern den Mindestbetrag für den Druck aufbringen, oder sogar ein webiste dazu aufbauen können.

Wir freuen uns über jede Unterstützung: https://www.kickstarter.com/projects/amintalab/little-freethinker

Unser interkulturelles Buchprojekt “Little Free Thinker” (5 Min)

Danke für die Einladung und das Gespräch!

Die Freude liegt ganz bei uns. Viel Erfolg auch weiterhin sowohl als Selbständige, als auch mit Chess Unlimited. Du bereitest uns Schachspielern viel Freude mit Deinen Schachtreffen und Deinem Einsatz für Schach.

*Der Originalartikel wurde auf https://chess.mulder.at/amin-aus-wien-a/ veröffentlicht.